[{"id":5211,"date":"2026-07-29T10:53:41","date_gmt":"2026-07-29T08:53:41","guid":{"rendered":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/?p=5211"},"modified":"2026-07-29T10:54:01","modified_gmt":"2026-07-29T08:54:01","slug":"ist-der-zugelassene-zaire-ebolavirus-impfstoff-geeignet-den-aktuellen-bundibugyo-ebolavirus-ausbruch-zu-bekaempfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/2026\/07\/29\/ist-der-zugelassene-zaire-ebolavirus-impfstoff-geeignet-den-aktuellen-bundibugyo-ebolavirus-ausbruch-zu-bekaempfen\/","title":{"rendered":"Ist der zugelassene Zaire-Ebolavirus-Impfstoff geeignet, den aktuellen Bundibugyo-Ebolavirus-Ausbruch zu bek\u00e4mpfen?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Forschende vom Deutschen Primatenzentrum \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Primatenforschung in G\u00f6ttingen liefern Hinweise auf einen m\u00f6glichen Kreuzschutz durch einen bereits zugelassenen Zaire-Ebolavirus-Impfstoff.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ebolaviren z\u00e4hlen zu den gef\u00e4hrlichsten bekannten Krankheitserregern des Menschen. Drei Ebolavirus-Spezies haben wiederholt gr\u00f6\u00dfere Krankheitsausbr\u00fcche auf dem afrikanischen Kontinent verursacht. Die meisten Ausbr\u00fcche wurden durch das Zaire-Ebolavirus ausgel\u00f6st. F\u00fcr diese Virusart stehen Medikamente und Impfstoffe zur Verf\u00fcgung. Gegen das Bundibugyo-Ebolavirus, den Ausl\u00f6ser des laufenden Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda, existieren hingegen bislang aber keine Therapeutika oder Impfstoffe. Dies erschwert erheblich die Bek\u00e4mpfung des Ausbruchs, der bereits jetzt der gr\u00f6\u00dfte jemals dokumentierte Bundibugyo-Ebolavirus-Ausbruch ist. Bisher war unklar, ob die aktuell zirkulierende Virusvariante effizienter in menschliche Zellen eindringen kann als fr\u00fchere Varianten und damit zur ungew\u00f6hnlichen Dynamik des Ausbruchs beitr\u00e4gt. Ebenso ungekl\u00e4rt war die Frage, ob zugelassene Impfstoffe gegen das Zaire-Ebolavirus zumindest einen teilweisen Schutz gegen das Bundibugyo-Ebolavirus bewirken k\u00f6nnen. Ein Forschungsteam am Deutschen Primatenzentrum \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Primatenforschung (DPZ) untersuchte beide Fragestellungen gemeinsam mit Forschenden des TWINCORE \u2013 Zentrum f\u00fcr Experimentelle und Klinische Infektionsforschung, sowie des Universit\u00e4tsklinikums Hamburg-Eppendorf und der Charit\u00e9 \u2013 Universit\u00e4tsmedizin Berlin. Dabei fanden die Wissenschaftler*innen keinen Hinweis darauf, dass die aktuelle Bundibugyo-Ebolavirus-Variante menschliche Zellen effizienter infiziert. Das Eindringen des Virus in Zellen konnte durch Antik\u00f6rper in Seren von Personen gehemmt werden, die mit dem Vektorimpfstoff VSV-ZEBOV-GP geimpft wurden. Die Studie liefert damit wichtige Hinweise darauf, dass ein bereits verf\u00fcgbarer Impfstoff aktuell gef\u00e4hrdete Personen vor schwerer Erkrankung sch\u00fctzen und zur Bek\u00e4mpfung des laufenden Ausbruchs beitragen k\u00f6nnte (The Lancet Infectious Diseases).<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bisher gr\u00f6\u00dfter dokumentierter Bundibugyo-Ebolavirus-Ausbruch<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit die ersten Infektionen mit dem Bundibugyo-Ebolavirus im Mai 2026 im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo registriert wurden, hat sich das Virus weiter ausgebreitet und auch das Nachbarland Uganda erreicht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 17. Juli 2026 wurden bislang 2.124 Infektionen best\u00e4tigt; 828 Menschen sind an den Folgen der Erkrankung verstorben. Ein Ende der Ausbreitung ist derzeit nicht absehbar. \u201eBereits jetzt handelt es sich um den gr\u00f6\u00dften jemals dokumentierten Ausbruch dieser Ebolavirus-Spezies\u201c, erkl\u00e4rt Stefan P\u00f6hlmann, Leiter der Abteilung Infektionsbiologie am DPZ.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Keine zugelassenen Medikamente und Impfstoffe gegen das Bundibugyo-Ebolavirus verf\u00fcgbar<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bundibugyo-Ebolavirus ist eine von vier Ebolavirus-Spezies, die beim Menschen Erkrankungen verursachen k\u00f6nnen. Wiederkehrende gr\u00f6\u00dfere Ausbr\u00fcche wurden bislang vor allem durch das Zaire-Ebolavirus verursacht, darunter die westafrikanische Ebola-Epidemie von 2014 bis 2016 mit mehr als 28.000 Infektionen und \u00fcber 11.000 Todesf\u00e4llen. Gegen das Zaire-Ebolavirus stehen inzwischen zugelassene Impfstoffe und Medikamente zur Verf\u00fcgung. Bei Infektionen mit dem Bundibugyo- oder Sudan-Ebolavirus fehlen solche Pr\u00e4parate. Ihre Entwicklung und klinische Pr\u00fcfung wird noch Zeit in Anspruch nehmen, was die Bek\u00e4mpfung des aktuellen Ausbruchs erheblich erschwert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Keine Hinweise auf h\u00f6here Infektiosit\u00e4t der Bundibugyo-Ebolavirus-Variante<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Zaire-Ebolavirus-Variante, die die bisher gr\u00f6\u00dfte Ebola-Epidemie in Westafrika von 2014 bis 2016 ausl\u00f6ste, eine Mutation im H\u00fcllprotein hatte, die wahrscheinlich das Eindringen in menschliche Zellen erleichterte, untersuchten die Forschenden zun\u00e4chst, ob die aktuelle Bundibugyo-Ebolavirus-Variante leichter in menschliche Zellen eindringt als fr\u00fchere Varianten. F\u00fcr ihre Untersuchungen stellten die Forschenden am Deutschen Primatenzentrum sogenannte Pseudoviren her, das sind vermehrungsunf\u00e4hige Viruspartikel, die mit den H\u00fcllproteinen verschiedener Ebolaviren ausgestattet wurden. Diese wurden anschlie\u00dfend zur Infektion von Makrophagen und dendritische Zellen verwendet, die die wichtigsten Zielzellen der Ebolaviren sind. Die Untersuchungen ergaben keinen Hinweis auf eine erh\u00f6hte Infektiosit\u00e4t der aktuell zirkulierenden Bundibugyo-Ebolavirus-Variante.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Antik\u00f6rper nach Impfung gegen das Zaire-Ebolavirus neutralisieren auch die aktuelle Bundibugyo-Ebolavirus-Variante<br>Um zu untersuchen, ob zugelassene Impfstoffe gegen das Zaire-Ebolavirus auch Antik\u00f6rper hervorrufen, die die derzeit zirkulierende Bundibugyo-Ebolavirus-Variante neutralisieren, mischten die Forschenden Pseudoviren mit Serumproben geimpfter Personen, die an einer vorangegangenen klinischen Studie zur Immunogenit\u00e4t und Vertr\u00e4glichkeit des VSV-ZEBOV-GP-Impfstoffs teilnahmen. Anschlie\u00dfend analysierten sie, inwieweit die enthaltenen Antik\u00f6rper den Eintritt der Pseudoviren in menschliche Zellen hemmten. Es zeigte sich, dass die meisten Proben Antik\u00f6rper enthielten, die Pseudoviren mit dem H\u00fcllprotein der aktuellen Bundibugyo-Ebolavirus-Variante neutralisierten, allerdings weniger effizient als Pseudoviren mit dem Zaire-Ebolavirus-H\u00fcllprotein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Originalpublikation:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hoffmann M, Shandheep A, Pavlou A et al.<br>Pseudovirus-based analysis of host cell entry and vaccine-induced neutralisation of Bundibugyo virus. The Lancet Infectious Diseases, 2026; <a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/laninf\/article\/PIIS1473-3099(26)00407-X\/fulltext\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.thelancet.com\/journals\/laninf\/article\/PIIS1473-3099(26)00407-X\/fulltext<\/a><br>DOI: 10.1016\/S1473-3099(26)00407-X<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/medien.dpz.eu\/pinaccess\/showpin.do?pinCode=17SxfRx0twiU\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/medien.dpz.eu\/pinaccess\/showpin.do?pinCode=17SxfRx0twiU<\/a> Druckf\u00e4hige Bilder<br><a href=\"https:\/\/www.deutschesgesundheitsportal.de\/2026\/07\/24\/placebo-schmerzlinderung-beruht-auf-unterschiedlichen-neuronalen-mechanismen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.dpz.eu\/im-dialog\/news\/artikel\/ist-der-zugelassene-zaire-ebolavirus-impfstoff-dazu-geeignet-den-aktuellen-bundibugyo-ebolavirus-ausbruch-zu-bekaempfen<\/a> Infobox 1, Infobox 2<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autor: Deutsches Primatenzentrum GmbH &#8211; Leibniz-Institut f\u00fcr Primatenforschung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forschende vom Deutschen Primatenzentrum \u2013 Leibniz-Institut f\u00fcr Primatenforschung in G\u00f6ttingen liefern Hinweise auf einen m\u00f6glichen Kreuzschutz durch einen bereits zugelassenen Zaire-Ebolavirus-Impfstoff. 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Ein Forschungsteam der Universit\u00e4t Basel hat einen zentralen Mechanismus entschl\u00fcsselt, mit dem sich Zellen beim Aufbau neuer Blutgef\u00e4sse zusammenschliessen. Die Studie zeigt, wie sich dabei durch Schub- und Zugkr\u00e4fte einzelne Gef\u00e4ssabschnitte zu einem durchg\u00e4ngigen Blutgef\u00e4ss verbinden. Die Ergebnisse vertiefen das Verst\u00e4ndnis der Blutgef\u00e4ssentwicklung und liefern Grundlagen f\u00fcr die Entwicklung von Organoiden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit Blut den K\u00f6rper versorgen kann, m\u00fcssen sich Milliarden von Zellen zu einem weit verzweigten Gef\u00e4ssnetz organisieren. Entscheidend f\u00fcr die Bildung neuer Blutgef\u00e4sse ist dabei die Entstehung durchgehender Hohlr\u00e4ume (Lumina), durch die sp\u00e4ter das Blut fliessen kann. Wie die Blutgef\u00e4sszellen dabei ihre Form ver\u00e4ndern und sich pr\u00e4zise anordnen, war bisher nur teilweise verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Affolter und Dr. Heinz-Georg Belting am Biozentrum hat diesen Prozess nun mithilfe hochaufl\u00f6sender Mikroskopie im lebenden Zebrafisch untersucht und die Ergebnisse im Fachjournal elife ver\u00f6ffentlicht. Die Forschenden konnten erstmals den zellul\u00e4ren und molekularen Mechanismus aufkl\u00e4ren, mit dem sich benachbarte Lumina verbinden und zu einem durchg\u00e4ngigen Blutgef\u00e4ss verbinden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Zellkontakte als Motor der Gef\u00e4ssbildung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Gef\u00e4ssbildung bleiben die Zellen der Blutgef\u00e4sse st\u00e4ndig \u00fcber Zell-Zell-Kontakte miteinander verbunden. Diese Verbindungen m\u00fcssen einerseits stabil genug sein, um die Gef\u00e4sswand zusammenzuhalten, andererseits aber gen\u00fcgend Beweglichkeit erlauben, damit sich die Zellen neu anordnen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits fr\u00fchere Arbeiten des Teams hatten gezeigt, dass f\u00fcr den Zell-Zell-Kontakt spezielle Membranausst\u00fclpungen, sogenannte Junction-Based Lamellipodia (JBL), an der Spitze der Zellen verantwortlich sind. Sie arbeiten wie kleine Motoren, mit deren Hilfe die Zellen sich \u00fcbereinander schieben k\u00f6nnen. Nun konnten die Forschenden zudem erstmals zeigen, welche mechanischen Kr\u00e4fte wirken, damit die Zellen sich hierf\u00fcr zun\u00e4chst ausdehnen und zueinander finden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Schieben, verankern, ziehen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zun\u00e4chst bilden sich an der Spitze der Zellen der JBL-Zellfortsatz, der die Zelle mit einer Schubkraft nach vorne hin verl\u00e4ngert. Ganz vorne an der Spitze wirkt dieser wie ein molekularer Anker, der sich an die Nachbarzelle einhakt, die Zellen also miteinander verbindet und dem entstehenden Blutgef\u00e4ss so Stabilit\u00e4t verleiht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anschliessend wirken Zugkr\u00e4fte, die die hintere Zelle nach vorne ziehen und sie so schrittweise verl\u00e4ngern. \u00abDurch diesen wiederholten Wechsel aus Schub- und Zugkr\u00e4ften bewegen sich die Zellen \u00e4hnlich wie eine Spanner-Raupe vorw\u00e4rts und verl\u00e4ngern so das Blutgef\u00e4ss insgesamt\u00bb, erkl\u00e4rt Erstautor Dr. Ludovico Maggi. So entstehen aus zun\u00e4chst getrennten Gef\u00e4ssabschnitten kontinuierliche Blutgef\u00e4sse mit einem durchg\u00e4ngigen Lumen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abWir konnten nachweisen, dass das das Molek\u00fcl VE-Cadherin dabei gleich zwei Funktionen \u00fcbernimmt: Es wirkt nicht nur als &#8222;Zement&#8220; zwischen den Zellen und sorgt f\u00fcr die Stabilit\u00e4t der Gef\u00e4sswand, sondern \u00fcbernimmt gleichzeitig eine aktive Rolle bei der Zellbewegung\u00bb, sagt Letztautor Heinz-Georg Belting. \u00ab\u00dcberraschend war auch, wie plastisch und flexibel die Zellen in diesem Prozess sind. Sie sind stabil und flexibel zugleich.\u00bb<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Bedeutung weit \u00fcber Blutgef\u00e4sse hinaus<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit zeigt erstmals im Detail, wie Zellen der Blutgef\u00e4sse ihre Zellkontakte koordinieren und dass die dabei wirkenden Zug- und Schubkr\u00e4fte unverzichtbar sind, damit sich durchg\u00e4ngige Blutgef\u00e4sse bilden. Da sich nahezu alle Organe immer im Zusammenspiel mit dem Blutgef\u00e4sssystem entwickeln, tr\u00e4gt ein besseres Verst\u00e4ndnis der Gef\u00e4ssbildung auch dazu bei, die Organentwicklung besser zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00abBlutgef\u00e4sse sind weit mehr als reine Versorgungsleitungen. Sie begleiten die Entwicklung nahezu aller Organe. Wer versteht, wie Blutgef\u00e4sse entstehen, versteht damit auch einen grundlegenden Teil der Organbildung\u00bb, sagt Belting. Langfristig k\u00f6nnten die Erkenntnisse der Studie dazu beitragen, Organoide und k\u00fcnstlich gez\u00fcchtete Gewebe, die in der Forschung und Medizin ihre Anwendung finden, mit funktionierenden Blutgef\u00e4ssen auszustatten \u2013 eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr ihre naturgetreue Entwicklung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Originalpublikation:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ludovico Maggi, Jianmin Yin, Cora Wiesner, Ilkka Paatero, Julian Malchow, Christian Helker, Markus Affolter &amp; Heinz-Georg Belting:<br>Junctional and Actomyosin Dynamics Drive Endothelial Cell Rearrangements during Vascular Tube Formation.<br>Elife, doi: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.7554\/eLife.109264.2\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.7554\/eLife.109264.2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: <\/strong>Universit\u00e4t Basel<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie entstehen Blutgef\u00e4sse, die den K\u00f6rper zuverl\u00e4ssig mit Sauerstoff und N\u00e4hrstoffen versorgen? 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Daf\u00fcr werden sie vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie mit 1,15 Millionen Euro aus dem Programm EXIST-Forschungstransfer gef\u00f6rdert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnser Mikroskop ist ein hochkomplexes System: optisch, mechanisch und elektronisch\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Henning Ortkra\u00df. \u201eWir erzielen ein mehr als zehnfach gr\u00f6\u00dferes Bildfeld als bisher m\u00f6glich war.\u201c Der Physiker forscht schon l\u00e4nger in der angewandten Photonik rund um superaufl\u00f6sende Fluoreszenzmikroskope und hat in dem Bereich promoviert. Jetzt hat er mit seinem siebenk\u00f6pfigen Team ein Ziel: \u201eWir wollen unseren Prototypen in die Anwendung bringen und dann nat\u00fcrlich in der Praxis testen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir machen das noch Unsichtbare sichtbar\u201c, erkl\u00e4rt Janina Niemeyer, wissenschaftliche Hilfskraft im Lightweaver-Team. Das System soll zu einer universellen L\u00f6sung f\u00fcr Fragestellungen in der Biomedizin, Pharmazie und der Grundlagenforschung werden. Vor allem, wenn es darum gehe, Prozesse auf Subzellebene abzubilden mit zeitlicher Dynamik oder auch in lebenden Zellen, biete das Mikroskop neue M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie funktioniert das Super-Mikroskop?<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Mikroskop hat eine Aufl\u00f6sung unterhalb des Beugungslimits von Licht. Diese \u201eSuperaufl\u00f6sung\u201c wird durch strukturierte Beleuchtung der Probe erzielt. \u201eWir projizieren ein Streifenmuster in die Probe, nehmen dann mehrere Bilder von der Probe mit verschobenem Streifenmuster auf und k\u00f6nnen dadurch eine zweifache Aufl\u00f6sungserh\u00f6hung erzielen\u201c, erkl\u00e4rt Henning Ortkra\u00df. Besonders seien hier die gute Bildrate und das gro\u00dfe Bildfeld. Mit dem Mikroskop k\u00f6nnen kleinste Bestandteile von Zellen und ihre Prozesse sichtbar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnser System ist sehr kompakt\u201c, sagt Ortkra\u00df. \u201eBildlich gesprochen: Bisher waren die etablierten Systeme so gro\u00df wie ein bis zwei gro\u00dfe K\u00fchlschr\u00e4nke. Unser Mikroskop hat die Gr\u00f6\u00dfe einer Mikrowelle.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Start-up-Gr\u00fcndung steht kurz bevor<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den optischen Aufbau hat das Forschungsteam in den vergangenen f\u00fcnf Jahren in der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Thomas Huser entwickelt. In dieser Zeit wurde das Projekt \u00fcber 14 Monate durch die F\u00f6rderma\u00dfnahme Start-up Transfer.NRW unterst\u00fctzt. Dabei ging es darum, ein m\u00f6glichst leistungsstarkes, robustes Ger\u00e4t zu bauen. Auch Patente f\u00fcr diesen Aufbau wurden bereits angemeldet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dem Demonstrator-Mikroskop, das es bereits gibt, wollen die Forschenden einen Prototypen entwickeln. An diesem soll dann potenziellen Kund*innen die Anwendung des Mikroskops demonstriert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Fokus wird auch auf der Vermarktung und der Etablierung auf verschiedenen M\u00e4rkten liegen. \u201eWir m\u00f6chten unsere Arbeit im n\u00e4chsten Schritt nach au\u00dfen tragen, damit davon m\u00f6glichst viele Leute profitieren k\u00f6nnen\u201c, sagt Janina Niemeyer. \u201eEs geht dabei nicht nur um Grundlagenforschung, sondern darum, dass Krankheiten in Zukunft besser diagnostiziert und behandelt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher kommen Anfragen vor allem aus dem akademischen Bereich \u2013 zum Beispiel aus Oxford oder von der Johns-Hopkins-Universit\u00e4t. Au\u00dferdem bestehen bereits Kontakte in die Pharmaindustrie, zum Beispiel mit Bayer CropScience und Partex.AI Labs GmbH in Regensburg. Darauf soll aufgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Anwendung des Mikroskops f\u00fcr personalisierte Medizin<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Zukunft sollen mithilfe des Lightweaver-Mikroskops Fragen beantwortet werden wie \u201eWie werden Medikamente verstoffwechselt?\u201c, \u201eSind bestimmte Medikamente sch\u00e4dlich f\u00fcr die jeweiligen Risikopatient*innen?\u201c oder \u201eWie sind die Wechselwirkungen verschiedener Medikamente?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher wurde in EU-Projekten an dem Mikroskop gearbeitet, um mit Projektpartnern Leberzellen zu untersuchen, die den Stoffaustausch zwischen Blut und Lebergewebe regulieren. Die Forschenden konnten zeigen, wie diese Zellen ihre Filterfunktion durch die dynamische Ver\u00e4nderung kleiner Poren anpassen und dadurch die Aufnahme von Wirkstoffen beeinflussen. So kann besser verstanden werden, wie Leberzellen auf Medikamente reagieren und vor allem welche Wechselwirkungen dabei entstehen. Dabei geht es darum, die Auswirkungen mehrerer gleichzeitig eingenommener Medikamente auf die Leber \u2013 vor allem bei Risikopatient*innen \u2013 besser vorherzusagen, um Nebenwirkungen zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Au\u00dferdem setzt das Forschungsteam auf die Anwendung des Mikroskops zur Wirkstoffentwicklung in der Pharmaindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Start-up-Vorhaben wird als EXIST-Forschungstransfer-Projekt vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie mit 1,15 Millionen Euro gef\u00f6rdert. Die F\u00f6rderung l\u00e4uft \u00fcber 18 Monate bis Dezember 2027. Das Geld soll unter anderem f\u00fcr zwei weitere Demonstratoren genutzt werden. Ziel der Forschungsgruppe ist es, ihr Produkt weiterzuentwickeln, aber auch zum Ende der F\u00f6rderungsphase den Markteintritt erfolgreich bestritten zu haben. Der EXIST-Forschungstransfer ist ein bundesweites F\u00f6rderprogramm mit dem Ziel, die Zahl besonders anspruchsvoller technologieorientierter Unternehmensgr\u00fcndungen aus Hochschulen und au\u00dferuniversit\u00e4ren Forschungseinrichtungen zu steigern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weitere Informationen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/provendis.info\/innovation2businessnrw\/oeffentlichkeits-netzwerkarbeit\/best-practice\/artikelansicht-1\/strukturierte-beleuchtungsmikroskopie-verdoppelt-aufloesung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/provendis.info\/innovation2businessnrw\/oeffentlichkeits-netzwerkarbeit\/best-practice\/artikelansicht-1\/strukturierte-beleuchtungsmikroskopie-verdoppelt-aufloesung<\/a> Interview mit Dr. Henning Ortkra\u00df bei PROvendis<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Autor: <\/strong>Universit\u00e4t Bielefeld<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem kompakten Mikroskop wollen Bielefelder Forschende sichtbar machen, was bisher verborgen blieb, und so Krankheiten besser verstehen: Das Forschungsteam um Dr. Henning Ortkra\u00df und Dr. Marcel M\u00fcller wird in K\u00fcrze ein Start-up gr\u00fcnden und das neuartige Mikroskop \u201eLightweaver\u201c auf den Markt bringen. 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Ein zentrales Merkmal der Erkrankung sind sogenannte Lewy-K\u00f6rperchen \u2013 Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein im Gehirn. Lange galten sie als Hauptursache f\u00fcr den Untergang dopaminerger Nervenzellen. Eine jetzt in Nature Communications ver\u00f6ffentlichte Studie eines Forschungsteams der LMU M\u00fcnchen und des Deutschen Zentrums f\u00fcr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeichnet jedoch ein deutlich komplexeres Bild.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Forschenden untersuchten menschliches Hirngewebe aus verschiedenen Stadien der Parkinson-Erkrankung und verglichen es mit Gewebe von Menschen mit Alzheimer-Erkrankung \u2013 sowohl mit als auch ohne Lewy-Pathologie. Im Mittelpunkt standen dabei dopaminerge Zellen, also Zellen, die Dopamin herstellen und freisetzen und wichtig sind bei Bewegungsabl\u00e4ufen, Motivation, Belohnung und Kognition.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Bedeutung der Lewy-Pathologie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Analysen zeigen, dass die Menge fehlgefalteten Alpha-Synucleins eng mit dem Verlust dopaminerger Nervenzellen bei der klassischen Parkinson-Erkrankung zusammenh\u00e4ngt. \u00dcberraschenderweise gilt dieser Zusammenhang jedoch nicht f\u00fcr Patienten mit Alzheimer-Erkrankung und zus\u00e4tzlicher Lewy-Pathologie. Trotz vergleichbarer Alpha-Synuclein-Ablagerungen findet sich dort kein Nervenzellverlust. Diese Ergebnisse sprechen daf\u00fcr, dass Lewy-Pathologie allein die Neurodegeneration nicht erkl\u00e4rt. Vielmehr scheint der Krankheitskontext entscheidend daf\u00fcr zu sein, ob Alpha-Synuclein tats\u00e4chlich neurotoxisch wirkt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass Alpha-Synuclein nicht isoliert betrachtet werden darf. Entscheidend ist das Zusammenspiel mit weiteren krankhaften Ver\u00e4nderungen im Gehirn\u201c, sagt Studienleiter PD Dr. Thomas K\u00f6glsperger von der Neurologischen Klinik und Poliklinik am LMU Klinikum M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ver\u00e4nderungen beginnen lange vor dem Nervenzellverlust<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bedeutsam sind die Befunde aus den fr\u00fchesten Krankheitsstadien. Bereits bei Personen mit sogenannter inzidenteller Lewy-K\u00f6rper-Erkrankung \u2013 einer als Vorstufe der Parkinson-Erkrankung angesehenen Pathologie \u2013 fanden die Forschenden deutliche Ver\u00e4nderungen an Synapsen des Gehirns. Noch bevor sich klassische Lewy-K\u00f6rperchen in der Substantia nigra nachweisen lassen, zeigen sich eine Aktivierung des Komplementsystems und ein selektiver Verlust hemmender Synapsen. Diese Ver\u00e4nderungen sprechen f\u00fcr eine fr\u00fche immunvermittelte Umgestaltung neuronaler Netzwerke, die der Lewy-Pathologie und dem eigentlichen Nervenzelluntergang vorausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neue Ansatzpunkte f\u00fcr Biomarker und Therapien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie liefert damit Hinweise auf bislang unbekannte fr\u00fche Krankheitsmechanismen. Immunologische Ver\u00e4nderungen und synaptische Umbauprozesse k\u00f6nnten k\u00fcnftig als Biomarker dienen, um Parkinson bereits im Vorl\u00e4uferstadium zu erkennen. Gleichzeitig er\u00f6ffnen sie neue therapeutische M\u00f6glichkeiten, die nicht ausschlie\u00dflich auf Alpha-Synuclein abzielen, sondern auf fr\u00fche Entz\u00fcndungs- und Synapsenprozesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWenn wir diese fr\u00fchen Ver\u00e4nderungen k\u00fcnftig gezielt beeinflussen k\u00f6nnen, besteht die Chance, den Krankheitsprozess deutlich fr\u00fcher zu bremsen \u2013 m\u00f6glicherweise noch bevor ein irreversibler Nervenzellverlust eintritt\u201c, sagt K\u00f6glsperger.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Studie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Arbeit kombinierten die Forschenden r\u00e4umliche Transkriptomik, r\u00e4umliche Proteomik und Alpha-Synuclein-Seeding-Assays an menschlichem postmortalen Hirngewebe. Dadurch konnten molekulare Ver\u00e4nderungen mit bislang unerreichter r\u00e4umlicher Aufl\u00f6sung untersucht werden und neue Mechanismen der Parkinson-Entstehung identifiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Originalpublikation<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rumpf, SL., Str\u00fcbing, F.L., Nalbach, K. et al. Spatial multi-omics identifies early synaptic pruning and context-specific dopaminergic vulnerability in synucleinopathies. Nature Communicaitons (2026). DOI:&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-026-74961-6\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-026-74961-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen LMU<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Studie der LMU und des DZNE zeigt: Lewy-Pathologie allein erkl\u00e4rt den Nervenzellverlust bei Parkinson nicht&nbsp; Die Parkinson-Erkrankung gilt als die zweith\u00e4ufigste neurodegenerative Erkrankung weltweit. Ein zentrales Merkmal der Erkrankung sind sogenannte Lewy-K\u00f6rperchen \u2013 Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein im Gehirn. Lange galten sie als Hauptursache f\u00fcr den Untergang dopaminerger Nervenzellen. 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Ein Team unter Federf\u00fchrung der Universit\u00e4ten und Universit\u00e4tskliniken des Saarlandes und M\u00fcnster hat nun in Nature Communications einen Mechanismus beschrieben, der daf\u00fcr verantwortlich sein k\u00f6nnte. Er spielt auch bei anderen entz\u00fcndlichen Erkrankungen eine Rolle.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das menschliche Immunsystem ist ein Wunderwerk aus unz\u00e4hligen aufs Feinste abgestimmter Bestandteile, die in ebenso unz\u00e4hligen Vorg\u00e4ngen miteinander interagieren, damit wir am Ende eines merken: nichts. Wir werden im Idealfall nicht krank. St\u00e4ndig laufen in unserem K\u00f6rper Prozesse ab, die schadhafte Zellen beseitigen, Viren und Bakterien aufhalten, aufst\u00f6bern und abt\u00f6ten. Meist l\u00e4uft das unbemerkt, manchmal sp\u00fcren wir es aber auch. Dann l\u00e4uft die Nase, die Knie schmerzen oder eine Wunde entz\u00fcndet sich. Bei immungesunden Menschen laufen solche Reaktionen aber wohlbalanciert ab. Das Fieber steigt nicht zu hoch, eine Entz\u00fcndung bleibt lokal begrenzt und wird nicht zu stark, so dass sie das umliegende Gewebe nicht sch\u00e4digt, sondern nur die Fremdk\u00f6rper am Ort des Geschehens angeht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manchmal geraten solche Prozesse aber auch aus dem Gleichgewicht. Das Immunsystem schie\u00dft \u00fcber, die Prozesse, die uns eigentlich sch\u00fctzen sollen, geraten au\u00dfer Kontrolle. In der Folge schweben die Menschen, deren Immunsystem dann so reagiert, nicht selten in Lebensgefahr, es drohen schwere akute oder chronische Entz\u00fcndungen von Organen oder Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Multiple Sklerose.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lorenz Thurner und seine Arbeitsgruppe im Jos\u00e9 Carreras Center f\u00fcr Immun- und Gentherapie der Inneren Medizin I der Universit\u00e4t des Saarlandes erforschen solche Prozesse schon seit Langem. Im Mittelpunkt ihres Interesses steht dabei ein Botenstoff namens Interleukin-1 sowie dessen Gegenspieler, der Interleukin-1-Rezepor-Antagonist (IL-1Ra). Wird Interleukin-1 ausgesch\u00fcttet, setzt eine Entz\u00fcndungsreaktion mit Fieber ein, um k\u00f6rperfremde Stoffe wie Viren anzugreifen. IL-1Ra hingegen blockiert die Andockstellen f\u00fcr diesen Botenstoff und hemmt damit die Entz\u00fcndungsreaktion, damit diese nicht \u00fcberschie\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eGemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen anderer Kliniken des UKS und weiterer Kliniken konnten wir in den vergangenen Jahren die Rolle von IL-1Ra genauer untersuchen\u201c, erkl\u00e4rt Professor Thurner. Denn bei manchen Menschen reagiert der K\u00f6rper auf IL-1Ra nicht im gew\u00fcnschten Sinne: \u201eDas Immunsystem bildet Antik\u00f6rper gegen diesen Antagonisten, mit denen es ihn angreift und somit aus dem Spiel nimmt\u201c, erl\u00e4utert Professor Dr. Christoph Kessel von der Universit\u00e4t M\u00fcnster, der solche Autoimmun- und Entz\u00fcndungsprozesse an der Klinik f\u00fcr p\u00e4diatrische Rheumatologie und Immunologie erforscht. Dadurch stehen dem entz\u00fcndungsf\u00f6rdernden Botenstoff Interleukin-1 buchst\u00e4blich alle T\u00fcren offen, denn er kann jetzt ungehemmt an seine Ziele andocken und Entz\u00fcndungen ausl\u00f6sen. Die nat\u00fcrliche Balance zwischen Entz\u00fcndungsreaktion und deren Hemmung ist gest\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass dies so war, wissen die Forscherinnen und Forscher um Thurner und Kessel schon seit L\u00e4ngerem. Was aber genau am Molek\u00fcl IL-1Ra geschieht, war bislang unbekannt. Jetzt konnten sie mithilfe eines gro\u00dfen, interdisziplin\u00e4ren Teams diesen Mechanismus bei COVID-Patienten aus der Hochphase der Corona-Pandemie entschl\u00fcsseln und im renommierten Fachjournal Nature Communications ver\u00f6ffentlichen (Publikation 1, s.u.). \u201eWir konnten bestimmte Stellen auf IL-1Ra von schwer an COVID erkrankten Personen identifizieren, an denen eine atypische biochemische Ver\u00e4nderung passierte\u201c, berichten Evi Regitz und Natalie Fadle aus der Arbeitsgruppe von Lorenz Thurner am Homburger Jos\u00e9 Carreras Center.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ver\u00e4nderung an IL-1Ra ist dem erlernten Immunsystem unbekannt und f\u00fchrt zu einem Bruch der Toleranz gegen IL-1Ra, wodurch eine Immun- und letztendlich Entz\u00fcndungskaskade losgetreten wird. &nbsp;Damit wissen die Forscher nun genau, wo die Schwachstellen sind, die vorher nicht bekannt waren. \u201eWir wissen auch, dass bei diesen ehemaligen Patienten mit schwerem COVID-Verlauf die Reizschwelle f\u00fcr das Auftreten dieser atypischen Protein-Modifikation sehr viel niedriger liegt als bei immungesunden Personen\u201c, erg\u00e4nzt Dr. Bernhard Thurner, einer der Co-Autoren der Studie. \u201eWas wir hingegen noch nicht wissen: Ist COVID der Treiber f\u00fcr eine solche Entwicklung oder war diese Reaktion schon vorher im Immunsystem der Patienten angelegt? Und warum waren die Erkrankten empf\u00e4nglicher f\u00fcr eine solche Reaktion?\u201c, f\u00fchrt Christoph Kessel aus. Eine Frage, die das inzwischen sehr eingespielte Wissenschaftler-Team vielleicht in Zukunft beantworten k\u00f6nnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders hilfreich f\u00fcr die jetzt vorliegende Studie waren die Daten, auf deren Basis das Team seine Erkenntnisse gewinnen konnte. Diese stammen zu einem gro\u00dfen Teil aus dem deutschen NAPKON-Projekt, einem Verbund von zuvor dezentralisierten nationalen Forschungsaktivit\u00e4ten. Das \u201eNationale Pandemie Kohorten Netz\u201c, so der ausgeschriebene Name, entstand im Zuge der Corona-Pandemie 2020, um die Forschungsaktivit\u00e4ten zu Covid an einer Stelle zu b\u00fcndeln und die Daten daraus allen Forschungseinrichtungen zur Verf\u00fcgung zu stellen. \u201eDiese Daten sind Gold wert. Denn aus ihnen konnten wir auch ersehen, dass diese Dysbalance im Immunsystem ein vor\u00fcbergehender Effekt ist. Mit der Zeit nimmt die Zahl der Antik\u00f6rper gegen IL-1Ra bei den betroffenen Personen wieder ab\u201c, sagt Lorenz Thurner und unterstreicht damit die Qualit\u00e4t dieser Datenbank.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Mechanismus, den das Forschungsteam nun bei Covid-Patienten genau entschl\u00fcsseln konnte, tritt auch bei anderen Krankheiten zutage. In einem parallel ver\u00f6ffentlichten Kurzreport in den Annals of the Rheumatic Diseases (Publikation 2, s.u.) konnten Zanir Abdi (Funktionsoberarzt Rheumatologie UKS), Lorenz Thurner und Christoph Kessel diese Hyperphosphorylierung auch bei Botenstoffen nachweisen, deren Fehlfunktion eine axiale Spondyloarthritis, eine chronische entz\u00fcndlich-rheumatische Erkrankung, ausl\u00f6sen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit kommt den Erkenntnissen der Wissenschaftler eine grundlegende Bedeutung weit \u00fcber eine einzelne Erkrankung wie Covid hinaus zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Original-Publikationen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1) Lorenz Thurner, Natalie Fadle, Bernhard Thurner, Igor Kos, Moritz Bewarder, Evi Regitz, \u2026 , Marcin Krawczyk, Philipp Lepper, Christoph Kessel .* Autoantibodies to IL-1Ra and PGRN in severe COVID-19 are associated with inflammation-induced hyperphosphorylated antigen isoforms. Nat Commun&nbsp;<strong>17<\/strong>, 4768 (2026).&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-026-73316-5\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1038\/s41467-026-73316-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2) Zanir Abdi, Natalie Fadle, Evi Regitz, Igor Age Kos, Onur Cetin, Klaus-Dieter Preuss, Marina Zaks, Philipp Klemm, Frank Neumann, Moritz Bewarder, Philipp B Staber, Bernhard Thurner, Christoph Kessel, Lorenz Thurner, Proinflammatory autoantibodies enhancing tumor necrosis factor and RANKL signaling in axial spondyloarthritis associate with hyperphosphorylated progranulin and osteoprotegerin, Annals of the Rheumatic Diseases, 2026, ISSN 0003-4967,&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.ard.2026.04.008\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.ard.2026.04.008<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Universit\u00e4t des Saarlandes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beobachteten w\u00e4hrend der Corona-Pandemie bei einigen Patienten eine \u201eHyperinflammation\u201c, ein \u00dcberschie\u00dfen des Immunsystems, das sich in heftigen Entz\u00fcndungsreaktionen im K\u00f6rper \u00e4u\u00dfert. Ein Team unter Federf\u00fchrung der Universit\u00e4ten und Universit\u00e4tskliniken des Saarlandes und M\u00fcnster hat nun in Nature Communications einen Mechanismus beschrieben, der daf\u00fcr verantwortlich sein k\u00f6nnte. 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Nase, Ohren, Stirn und Kopfhaut sind der Sonne \u00fcber Jahre oft ungesch\u00fctzt ausgesetzt. Genau dort entstehen h\u00e4ufig Hautkrebsarten wie Basalzell- und Plattenepithelkarzinome. M\u00fcssen solche Tumoren operativ entfernt werden, z\u00e4hlt nicht nur, was an der Oberfl\u00e4che sichtbar ist: Ebenso wichtig ist, wie tief der Tumor bereits gewachsen ist. Hochfrequenter Ultraschall kann bei bestimmten Hauttumoren helfen, diese Frage vor dem Eingriff besser zu beantworten, erkl\u00e4rt die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Menschen verbinden Ultraschall vor allem mit Schwangerschaft oder Untersuchungen der Bauchorgane. Dabei ist die Sonografie l\u00e4ngst in vielen medizinischen Fachgebieten unverzichtbar \u2013 auch in der Dermatologie. Bei Hauttumoren erm\u00f6glicht sie den Blick auf das Gewebe unter der sichtbaren Ver\u00e4nderung. Besonders relevant ist das zum Beispiel an der Nase: Dort liegen Haut, Fettgewebe, Knorpel und Knochen dicht beieinander.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn eine Hautver\u00e4nderung \u00e4u\u00dferlich klein erscheint, erfordert eine Operation mitunter sorgf\u00e4ltige Planung \u2013 etwa, wenn der Tumor tiefer in Richtung Knorpel gewachsen ist. Wird diese Ausdehnung erst w\u00e4hrend des Eingriffs deutlich, erschwert das die Entfernung des Tumors und die anschlie\u00dfende Wiederherstellung. Gerade an der Nase hat dies unter Umst\u00e4nden Folgen f\u00fcr das Aussehen und in einzelnen F\u00e4llen auch f\u00fcr die Atmung. \u201eMit hochfrequentem Ultraschall k\u00f6nnen wir vor einer Operation besser einsch\u00e4tzen, ob ein Tumor nur oberfl\u00e4chlich w\u00e4chst oder ob angrenzende Strukturen betroffen sind\u201c, erkl\u00e4rt Privatdozentin Dr. med. Diana Crisan, Ober\u00e4rztin an der Klinik f\u00fcr Dermatologie und Allergologie des Universit\u00e4tsklinikums Ulm und Mitglied der DEGUM-Sektion Dermatologie. \u201eDas hilft uns, Patientinnen und Patienten realistischer zu beraten und eine m\u00f6gliche Rekonstruktion fr\u00fchzeitig mitzudenken.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wie Ultraschall die Therapieplanung mitbestimmt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Untersuchung wird ein spezieller Ultraschallkopf eingesetzt, der die Gewebeschichten direkt unter der Haut sehr genau darstellen kann. Der Befund kann Einfluss darauf haben, welche Therapie infrage kommt: Bei sehr oberfl\u00e4chlichen Basalzellkarzinomen k\u00f6nnen unter bestimmten Voraussetzungen lokaltherapeutische Verfahren wie Cremes, Lichttherapie oder Kryotherapie m\u00f6glich sein. Zeigt der Ultraschall dagegen, dass ein Tumor tiefer reicht oder unregelm\u00e4\u00dfig w\u00e4chst, spricht dies eher f\u00fcr eine Operation, die entsprechend sorgf\u00e4ltig geplant werden muss. Bei Befunden, die auf einen fortgeschrittenen Krankheitsverlauf hindeuten, beispielsweise bei Sch\u00e4digungen des darunterliegenden Knochens, die sonografisch gut dargestellt werden k\u00f6nnen, wird von einem operativen Eingriff eher abgeraten. In diesem Fall kommen andere Behandlungsformen infrage, etwa moderne Medikamente oder Strahlentherapie. \u201eWeiterhin wichtig bleibt zudem die Untersuchung des Gewebes im Labor\u201c, betont Crisan. \u201eDamit l\u00e4sst sich die Diagnose sichern und pr\u00fcfen, ob der Tumor vollst\u00e4ndig entfernt wurde.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pr\u00e4operativer Ultraschall: schmerz- und strahlenfrei<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ultraschall ist schmerzfrei, strahlenfrei und meist schnell verf\u00fcgbar. Bei oberfl\u00e4chennahen Hauttumoren kann die Untersuchung direkt in die haut\u00e4rztliche Diagnostik eingebunden werden. In ausgew\u00e4hlten F\u00e4llen l\u00e4sst sich mit Ultraschall auch kontrollieren, ob \u00f6rtliche Therapien anschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist hochfrequenter Ultraschall in der Hautkrebschirurgie nicht \u00fcberall Standard. Die Methode erfordert Erfahrung, ein geschultes Auge und haut\u00e4rztlich-onkologisches Fachwissen. Die DEGUM setzt sich deshalb f\u00fcr eine Ausbildung nach festen Qualit\u00e4tsstandards und eine breitere Verankerung moderner Ultraschallverfahren in der Versorgung ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wortsman, X. Ultrasound in Skin Cancer: Why, How, and When to Use It? Cancers 2024, 16, 3301.&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.3390\/cancers16193301\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">doi.org\/10.3390\/cancers16193301<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Crisan D, Wortsman X, Catalano O, Badea R, Kastler S, Badea A, Manea A, Scharffetter-Kochanek K, Strilciuc S, Crisan M, Schneider LA. Pre-operative high-frequency ultrasound: a reliable management tool in auricular and nasal non-melanoma skin cancer. J Dtsch Dermatol Ges. 2024 Mar;22(3):357-365. doi: 10.1111\/ddg.15308. Epub 2024 Jan 20. PMID: 38243870.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alfageme F, Wortsman X, Catalano O, Roustan G, Crisan M, Crisan D, Gaitini DE, Cerezo E, Badea R. European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology (EFSUMB) Position Statement on Dermatologic Ultrasound. Ultraschall Med. 2021 Feb;42(1):39-47. English. doi: 10.1055\/a-1161-8872. Epub 2020 May 7. PMID: 32380567.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Crisan D, Tarnowietzki E, Bernhard L, M\u00f6ller M, Scharffetter-Kochanek K, Crisan M, Schneider LA. Rationale for Using High-Frequency Ultrasound as a Routine Examination in Skin Cancer Surgery: A Practical Approach. J Clin Med. 2024 Apr 8;13(7):2152. doi: 10.3390\/jcm13072152. PMID: 38610917; PMCID: PMC11012407.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Crisan D, Wortsman X, Alfageme F, Scharffetter-Kochanek K, Crisan M, Bernhard L, Tarnowietzki E, Schneider LA, Schmid-Wendtner MH. In vivo and ex vivo sonographic evaluation of tumor margins during micrographic-controlled surgery: a promising new tool in dermato-oncology? J Dtsch Dermatol Ges. 2025 Oct;23(10):1261-1271. doi: 10.1111\/ddg.15827. Epub 2025 Jul 2. PMID: 40599105; PMCID: PMC12548316.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Ultraschall in der Medizin (DEGUM)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommer, Sonne, UV-Strahlung: F\u00fcr die Haut bedeutet die warme Jahreszeit besondere Belastung \u2013 vor allem im Gesicht. Nase, Ohren, Stirn und Kopfhaut sind der Sonne \u00fcber Jahre oft ungesch\u00fctzt ausgesetzt. Genau dort entstehen h\u00e4ufig Hautkrebsarten wie Basalzell- und Plattenepithelkarzinome. 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Sie hinterl\u00e4sst keine eingest\u00fcrzten H\u00e4user. Keine zerst\u00f6rten Stra\u00dfen. Keine Bilder, die am n\u00e4chsten Tag um die Welt gehen. Und doch forderte sie nach Sch\u00e4tzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) allein bis Ende Juni dieses Jahres bereits mehr als 5.000 Menschenleben \u2013 mehr als in den beiden Sommern 2024 und 2025 zusammen. Besonders betroffen sind hochbetagte, gebrechliche und mehrfacherkrankte Menschen. F\u00fcr die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Geriatrie (DGG) zeigen diese Zahlen: Deutschland muss Hitzeschutz neu denken \u2013 nicht erst in der Medizin, sondern schon bei der Planung von Pflegeheimen, Kliniken und Wohnraum.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir haben unsere Geb\u00e4ude jahrzehntelang vor allem darauf optimiert, im Winter m\u00f6glichst wenig W\u00e4rme zu verlieren. Jetzt m\u00fcssen wir den W\u00e4rmeschutz gleichrangig mitdenken und R\u00e4ume so gestalten, dass sie sich im Sommer auch m\u00f6glichst wenig aufheizen\u201c, sagt Filippo Maria Verri vom Institut f\u00fcr Geriatrische Forschung der Universit\u00e4t Ulm. Der Altersmediziner mit Public-Health-Hintergrund besch\u00e4ftigt sich mit einer Frage, die weit \u00fcber die Geriatrie hinausgeht: Wie m\u00fcssen St\u00e4dte, Quartiere und Geb\u00e4ude k\u00fcnftig gestaltet werden, damit \u00e4ltere Menschen gesund durch hei\u00dfe Sommer kommen? Im Forschungsprojekt KLEVER verbindet Verri gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Bauphysik IBP und der Technischen Hochschule Ulm physiologische Daten mit Raumklimadaten, um praxistaugliche Strategien f\u00fcr Bestands- und Neubauten zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nicht neu bauen \u2013 anders denken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jedes Pflegeheim und nicht jede Klinik k\u00f6nnen in den n\u00e4chsten Jahren grundlegend umgebaut werden. Das sei nicht \u00fcberall sofort notwendig, betont Verri. Viele Ma\u00dfnahmen lie\u00dfen sich bereits heute schrittweise umsetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir m\u00fcssen nicht alles auf einmal machen. Zun\u00e4chst sollten wir dort ansetzen, wo die Belastung am gr\u00f6\u00dften ist: in Zimmern auf der S\u00fcd- oder Westseite, unter dem Dach oder in Bereichen mit gro\u00dfen Fensterfl\u00e4chen\u201c, so Verri. Der erste Schritt ist oft keine Gro\u00dfbaustelle, sondern eine systematische Erfassung der Raumtemperaturen: Welche R\u00e4ume \u00fcberhitzen wann und welche besonders vulnerablen Menschen halten sich dort auf? Au\u00dfenliegende Verschattung, Sonnenschutzfolien oder Markisen k\u00f6nnten verhindern, dass sich R\u00e4ume \u00fcberhaupt stark aufheizen. Auch begr\u00fcnte Au\u00dfenbereiche, eine kluge L\u00fcftungsstrategie oder die zeitweise Nutzung k\u00fchlerer R\u00e4ume k\u00f6nnten die Belastung deutlich reduzieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBesonders kritisch sind Tropenn\u00e4chte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt\u201c, wei\u00df Verri aus der Forschung. \u201eWenn Au\u00dfenluft und Geb\u00e4udeh\u00fclle kaum abk\u00fchlen, kann gespeicherte W\u00e4rme nicht abgef\u00fchrt werden, und \u00e4lteren Menschen fehlt die physiologisch wichtige Erholungsphase. Wir m\u00fcssen nicht jeden Quadratmeter klimatisieren. Aber in Hochrisikobereichen kann gezielte technische K\u00fchlung Leben retten!\u201c, ist ihm deshalb wichtig zu betonen. Langfristig m\u00fcsse Hitzeschutz jedoch selbstverst\u00e4ndlich Teil jeder Planung werden \u2013 genauso wie Energieeffizienz oder Barrierefreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Was Deutschland vom S\u00fcden lernen kann<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Filippo Verri ist in S\u00fcditalien aufgewachsen. Dort geh\u00f6rt der Umgang mit extremer Sommerhitze seit Generationen zum Alltag. \u201eIn S\u00fcditalien erkennt man die Touristen sofort \u2013 sie laufen mittags in der Sonne herum.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fensterl\u00e4den schlie\u00dfen, Geb\u00e4ude verschatten, Aktivit\u00e4ten in die k\u00fchleren Morgen- und Abendstunden verlegen oder Aufenthaltsorte gezielt anpassen \u2013 Deutschland muss diese Lebensweise nicht kopieren. Von den Erfahrungen l\u00e4sst sich trotzdem lernen. \u201eWir m\u00fcssen das Rad nicht neu erfinden\u201c, ist Verri \u00fcberzeugt, \u201esondern lediglich Bekanntes auf unsere Bedingungen \u00fcbertragen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Aufgabe f\u00fcr eine alternde Gesellschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Prof. Michael Denkinger, Pr\u00e4sident der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Geriatrie (DGG), reichen kurzfristige Ma\u00dfnahmen allein nicht aus. Die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigten deutlich, wen Hitzewellen besonders treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eVor allem hochbetagte und mehrfacherkrankte Menschen tragen das gr\u00f6\u00dfte gesundheitliche Risiko. Genau diese Menschen versorgen wir als Geriaterinnen und Geriater jeden Tag. Mit Blick auf eine alternde Gesellschaft m\u00fcssen wir deshalb heute beginnen, Hitzeschutz selbstverst\u00e4ndlich mitzudenken \u2013 in Pflegeheimen, Kliniken, Wohnungen und unseren St\u00e4dten.\u201c Langfristige Investitionen und kurzfristige, pragmatische Ma\u00dfnahmen seien dabei keine Gegens\u00e4tze. \u201eWir brauchen beides!\u201c, so der Altersmediziner.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sommer werden hei\u00dfer. Entscheidend wird deshalb nicht allein sein, wie hoch das Thermometer steigt \u2013 sondern wie gut Deutschland seine \u00e4ltesten und verletzlichsten Menschen sch\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Geriatrie (DGG)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hitze ist wie ein Erdbeben \u2013 nur dass ihr Zerst\u00f6rungspotenzial weitgehend unsichtbar bleibt. Sie hinterl\u00e4sst keine eingest\u00fcrzten H\u00e4user. Keine zerst\u00f6rten Stra\u00dfen. Keine Bilder, die am n\u00e4chsten Tag um die Welt gehen. Und doch forderte sie nach Sch\u00e4tzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) allein bis Ende Juni dieses Jahres bereits mehr als 5.000 Menschenleben \u2013 mehr als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":208,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5203","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_embedded":{"wp:featuredmedia":[{"source_url":"test"}]},"kurztext":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5203"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5204,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5203\/revisions\/5204"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/208"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}},{"id":5201,"date":"2026-07-20T09:10:54","date_gmt":"2026-07-20T07:10:54","guid":{"rendered":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/?p=5201"},"modified":"2026-07-21T08:43:54","modified_gmt":"2026-07-21T06:43:54","slug":"rheuma-online-auf-die-spur-kommen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/content.digitale-hausapotheke.de\/2026\/07\/20\/rheuma-online-auf-die-spur-kommen\/","title":{"rendered":"Rheuma online auf die Spur kommen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Neues kostenloses Online-Tool unterst\u00fctzt Menschen mit Verdacht auf rheumatische Erkrankungen \u2013 Studienteilnehmende gesucht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anhaltende Gelenkschmerzen, unaufh\u00f6rliche Beschwerden oder die Sorge, dass etwas nicht stimmt? Menschen mit m\u00f6glichen rheumatischen Erkrankungen durchleben h\u00e4ufig eine lange Phase der Unsicherheit. Bis eine Diagnose gestellt wird, vergehen oft Monate oder sogar Jahre. Ein neues digitales Angebot soll Betroffene dabei unterst\u00fctzen, ihre Beschwerden besser einzuordnen und gut vorbereitet in \u00e4rztliche Gespr\u00e4che zu gehen. Ziel ist es, den Zugang zur Versorgung zu verbessern. Im Online-Tool \u201eRheumatic?\u201c k\u00f6nnen Personen mit Verdacht auf rheumatische Erkrankungen einen wissenschaftlich entwickelten Fragebogen ausf\u00fcllen und erhalten anschlie\u00dfend eine pers\u00f6nliche Symptom\u00fcbersicht. Diese kann gespeichert, ausgedruckt und zum Arzttermin mitgenommen werden. F\u00fcr die begleitende Studie sucht die Arbeitsgruppe \u201eDigitale Medizin und Versorgungsforschung\u201c von PD Dr. Harriet Morf, Fach\u00e4rztin der Medizinischen Klinik 3 \u2013 Rheumatologie und Immunologie des Uniklinikums Erlangen, nun Studienteilnehmende, die das Tool testen und anschlie\u00dfend Fragen dazu beantworten m\u00f6chten. \u201eDigitale Angebote k\u00f6nnen die \u00e4rztliche Diagnostik nicht ersetzen. Sie k\u00f6nnen aber dazu beitragen, Menschen fr\u00fcher zu erreichen, Orientierung zu geben und den Zugang zur Versorgung zu vereinfachen. Unser Ziel ist es, Patientinnen und Patienten dabei zu unterst\u00fctzen, sich besser auf medizinische Gespr\u00e4che vorzubereiten und ihre Beschwerden gezielter zu kommunizieren\u201c, erkl\u00e4rt PD Morf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das digitale Angebot \u201eRheumatic?\u201c wurde in enger Zusammenarbeit mit Rheumatologinnen und Rheumatologen sowie mit Patienten und Patientinnen entwickelt und deckt unterschiedliche rheumatische Erkrankungen ab. Es dient ausdr\u00fccklich nicht der Diagnosestellung, sondern soll die Kommunikation zwischen Betroffenen und Behandelnden unterst\u00fctzen und dadurch eine fr\u00fchzeitige medizinische Abkl\u00e4rung erleichtern. Ziel des Forschungsprojekts ist es, zu untersuchen, wie Menschen digitale Unterst\u00fctzung bei der Orientierung im Gesundheitssystem erleben und wie solche Angebote k\u00fcnftig verbessert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Studienteilnahme<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nutzerinnen und Nutzer, die an der Studie teilnehmen m\u00f6chten, werden nach der Verwendung des Online-Tools viermal per E-Mail zu ihrem Gesundheitszustand, m\u00f6glichen Diagnosen und Behandlungen befragt. Die gewonnenen Erkenntnisse flie\u00dfen direkt in die Weiterentwicklung von \u201eRheumatic?\u201c ein. Das Online-Tool steht allen Interessierten \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob sie an der Studie teilnehmen oder nicht \u2013 kostenlos zur Verf\u00fcgung. Weitere Informationen und Zugang zum Tool:&nbsp;<a href=\"https:\/\/protection.retarus.com\/v1?u=https%3A%2F%2Frheumatic.elsa.science%2Fde%2F&amp;c=3rzobTx&amp;r=4A13fFWqCzIyWJrHeyucyA&amp;k=7s1&amp;s=696cQP4vKb0wyHRJ1apzqkeoqnTFaEHU33buVkBqsYV\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/rheumatic.elsa.science\/de\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Europ\u00e4ische Zusammenarbeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Untersuchung ist Teil des europ\u00e4ischen Forschungsprojekts SPIDeRR unter Leitung der Universit\u00e4t Leiden, in dem Forschende und Versorgungspartner aus mehreren L\u00e4ndern gemeinsam neue Ans\u00e4tze zur fr\u00fcheren Erkennung und besseren Versorgung rheumatischer Erkrankungen entwickeln. Unterst\u00fctzt wird die Initiative au\u00dferdem durch den Deutschen Rheuma-Liga Bundesverband e. V., der sich f\u00fcr eine bessere Versorgung, Information und Beteiligung von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen einsetzt. Neben dem Uniklinikum Erlangen beteiligt sich aus Deutschland auch die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Weitere Informationen zum Forschungsprojekt SPIDeRR:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/spiderr-project.eu\">https:\/\/spiderr-project.eu<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Universit\u00e4tsklinikum Erlangen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neues kostenloses Online-Tool unterst\u00fctzt Menschen mit Verdacht auf rheumatische Erkrankungen \u2013 Studienteilnehmende gesucht Anhaltende Gelenkschmerzen, unaufh\u00f6rliche Beschwerden oder die Sorge, dass etwas nicht stimmt? Menschen mit m\u00f6glichen rheumatischen Erkrankungen durchleben h\u00e4ufig eine lange Phase der Unsicherheit. 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Auch die vorgestern in London pr\u00e4sentierte Studie zum Einsatz eines Tau-Antisense-Oligonukleotids verfehlte formal den prim\u00e4ren Endpunkt. Die Ergebnisse markieren jedoch aus Sicht der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Neurologie (DGN) nicht das Ende der Anti-Tau-Strategie, sondern sprechen f\u00fcr ein Umdenken hin zu fr\u00fcheren Interventionen und Kombinationstherapien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Alzheimer-Krankheit beginnt lange, bevor die ersten Ged\u00e4chtnisprobleme auftreten. Bereits 15 bis 20 Jahre vor den ersten Symptomen lagert sich \u03b2-Amyloid im Gehirn ab und setzt eine Kaskade krankhafter Prozesse in Gang. Im weiteren Verlauf entwickelt sich die Tau-Pathologie: Die Akkumulation hyperphosphorylierten Tau-Proteins und Bildung neurofibrill\u00e4rer B\u00fcndel f\u00fchren dazu, dass Nervenzellen zugrunde gehen und schlie\u00dflich kognitive und funktionelle Einschr\u00e4nkungen auftreten. Anders als Amyloid korreliert die Tau-Pathologie eng mit der klinischen Verschlechterung und gilt deshalb seit Jahren als eines der wichtigsten therapeutischen Ziele der Alzheimerforschung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine jetzt im JAMA ver\u00f6ffentlichte Phase-2-Studie [1] zeigt jedoch, dass eine gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie bei Patientinnen und Patienten mit einer fr\u00fchen symptomatischen Alzheimer-Krankheit nicht zwangsl\u00e4ufig zu einem klinischen Nutzen f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Biomarker verbessert \u2013 klinische Verschlechterung nicht verlangsamt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der internationalen, randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten Phase-2-Studie PROSPECT-ALZ [1] wurde untersucht, ob Ceperognastat den Krankheitsverlauf einer fr\u00fchen symptomatischen Alzheimer-Erkrankung verlangsamen kann. Der oral verf\u00fcgbare Wirkstoff hemmt das Enzym O-GlcNAcase (OGA). Dadurch soll die O-GlcNAcylierung des Tau-Proteins erh\u00f6ht und dessen krankhafte Aggregation vermindert werden. Pr\u00e4klinische Untersuchungen hatten gezeigt, dass sich auf diesem Weg die Ausbreitung der Tau-Pathologie m\u00f6glicherweise bremsen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An der Studie nahmen 327 Patientinnen und Patienten mit leichter kognitiver Beeintr\u00e4chtigung oder leichter Alzheimer-Demenz sowie nachgewiesener Tau-Pathologie teil. Sie wurde zwischen September 2021 und August 2024 an 72 Studienzentren in Australien, Kanada, Japan, Polen und den USA durchgef\u00fchrt; anschlie\u00dfend schloss sich eine Nachbeobachtungsphase bis Mai 2025 an. Prim\u00e4rer Endpunkt war die Ver\u00e4nderung auf der \u201eIntegrated Alzheimer\u2019s Disease Rating Scale\u201c (iADRS) nach 100 Wochen. Das Ergebnis fiel ern\u00fcchternd aus: Weder die niedrige noch die hohe Dosierung von Ceperognastat verlangsamte die klinische Progression gegen\u00fcber Placebo. Im Gegenteil verschlechterten sich Patientinnen und Patienten unter der h\u00f6heren Dosierung in mehreren klinischen Endpunkten sogar st\u00e4rker. Gleichzeitig zeigte der Wirkstoff biologische Aktivit\u00e4t: Die Zunahme der Biomarker p-tau217 und GFAP wurde reduziert, zudem fiel die Hirnvolumenabnahme im MRT geringer aus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDiese Studie zeigt eindrucksvoll, dass g\u00fcnstige Biomarker-Ver\u00e4nderungen allein nicht ausreichen, um einen therapeutischen Nutzen zu belegen. Entscheidend ist, ob Patientinnen und Patienten im Alltag l\u00e4nger selbstst\u00e4ndig bleiben oder ihre kognitiven F\u00e4higkeiten langsamer verlieren \u2013 und genau das konnte Ceperognastat nicht zeigen\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Peter Berlit, Pressesprecher der DGN.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kommt der therapeutische Eingriff zu sp\u00e4t?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ergebnisse werfen eine grunds\u00e4tzliche Frage f\u00fcr die Alzheimerforschung auf: Ist eine Behandlung im Stadium einer fr\u00fchen symptomatischen Erkrankung bereits zu sp\u00e4t?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die derzeit verf\u00fcgbaren Amyloid-Antik\u00f6rper greifen am Beginn der Krankheitskaskade an und werden bereits bei leichter kognitiver St\u00f6rung oder leichter Alzheimer-Demenz eingesetzt, diese beiden Stadien werden als fr\u00fche symptomatische Alzheimer-Krankheit zusammengefasst. Dennoch zeigen auch sie bislang lediglich moderate klinische Effekte. Vor diesem Hintergrund \u00fcberrascht das negative Ergebnis der Anti-Tau-Therapie nach Einsch\u00e4tzung der DGN nicht vollst\u00e4ndig. Tau steht zwar in enger Beziehung zur klinischen Symptomatik, entwickelt sich jedoch nach der Amyloid-Pathologie und damit zu einem Zeitpunkt, an dem neurodegenerative Prozesse bereits eingesetzt haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Studie zeigt, dass wir die zeitliche Dynamik der Alzheimer-Krankheit noch besser verstehen m\u00fcssen. M\u00f6glicherweise reicht es nicht aus, die Tau-Pathologie erst dann zu beeinflussen, wenn bereits klinische Symptome bestehen. K\u00fcnftige Studien werden kl\u00e4ren m\u00fcssen, ob die Intervention noch fr\u00fcher erfolgen muss oder ob andere therapeutische Ans\u00e4tze erfolgversprechender sind\u201c, lautet die Einsch\u00e4tzung von Prof. Dr. \u00d6zg\u00fcr Onur, K\u00f6ln, Sprecher der DGN-Kommission Demenzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ganz aktuell: Vorsichtig positive Signale f\u00fcr ein ASO gegen Tau \u2013 aber Hoffnung beruht auf der Kombinationstherapie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch andere Anti-Tau-Strategien haben bislang keinen eindeutigen klinischen Durchbruch erzielt. Zwar wurden f\u00fcr ein Tau-Antisense-Oligonukleotid (ASO) erst vorgestern, am 14. Juli 2026, auf der \u201eAlzheimer\u2019s Association International Conference\u201c mit \u00fcber 10.200 internationalen Teilnehmern neben deutlichen Biomarker-Effekten auch von Signalen in klinischen Endpunkten berichtet, die entsprechende Phase-2-Studie verfehlte jedoch formal ihren prim\u00e4ren Endpunkt [2, 3]. Demnach h\u00e4tten h\u00f6here Dosen des Pr\u00fcfmedikaments gr\u00f6\u00dfere klinische Effekte erzielen m\u00fcssen als geringere. Entgegen dieser Erwartung zeigte allerdings die niedrigere Dosis den st\u00e4rksten Effekt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Alzheimerforschung markieren die Ergebnisse dennoch nicht das Ende der Anti-Tau-Strategie, aber m\u00f6glicherweise einen Strategiewechsel. Zunehmend setzt sich die Auffassung durch, dass Amyloid- und Tau-Pathologie komplement\u00e4re therapeutische Ziele darstellen. \u201eW\u00e4hrend Amyloid m\u00f6glichst fr\u00fch aus dem Gehirn entfernt werden soll, k\u00f6nnte eine anschlie\u00dfende Hemmung der Tau-Ausbreitung die Neurodegeneration zus\u00e4tzlich hemmen. Wir setzen gro\u00dfe Hoffnungen auf zuk\u00fcnftige Kombinationstherapien. Schlie\u00dflich gibt es kaum eine komplexe Erkrankung, die ausschlie\u00dflich mit einem einzigen Wirkstoff geheilt oder zum Stillstand gebracht werden kann\u201c, so der K\u00f6lner Alzheimer-Experte. Entsprechend werden derzeit Kombinationstherapien untersucht, etwa mit dem Anti-Tau-Antik\u00f6rper Etalanetug und dem Anti-Amyloid-Antik\u00f6rper Lecanemab (ClinicalTrials.gov: NCT05269394 und NCT06602258).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fazit von Prof. Onur lautet: \u201eF\u00fcr die Alzheimerforschung markieren die aktuellen Ergebnisse keinen Endpunkt, sondern Zwischenschritte. Die Herausforderung besteht k\u00fcnftig darin, die richtigen therapeutischen Angriffspunkte mit dem optimalen Zeitpunkt der Behandlung zu verbinden. Erst wenn sich biologische Effekte auch in einem sp\u00fcrbaren klinischen Nutzen widerspiegeln, wird sich das Versprechen krankheitsmodifizierender Therapien f\u00fcr die Betroffenen erf\u00fcllen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[1] Fleisher AS, Munsie L, Mancini M et al. Ceperognastat in Early Symptomatic Alzheimer Disease: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026 Jul 13:e2612768. doi: 10.1001\/jama.2026.12768&nbsp;<a href=\"https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jama\/fullarticle\/2851734\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/jamanetwork.com\/journals\/jama\/fullarticle\/2851734<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[2] Pressemeldung der Alzheimer\u00b4s Association. Detailed Phase 2 Results From the CELIA Clinical Trial of Tau-Targeting Therapy Diranersen (BIIB080). July 14, 2026.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.alz.org\/news\/2026\/phase-2-results-celia-clinical-trial-tau-targeting-therapy-diranersen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.alz.org\/news\/2026\/phase-2-results-celia-clinical-trial-tau-targeting-therapy-diranersen<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">[3] Pressemeldung \u201cBiogen Presents Phase 2 CELIA Data at AAIC Demonstrating Meaningful Clinical Outcomes and Robust Tau Reduction with Diranersen in Early Alzheimer\u2019s Disease.\u201d July 14, 2026.&nbsp;<a href=\"https:\/\/investors.biogen.com\/news-releases\/news-release-details\/biogen-presents-phase-2-celia-data-aaic-demonstrating-meaningful\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/investors.biogen.com\/news-releases\/news-release-details\/biogen-presents-phase-2-celia-data-aaic-demonstrating-meaningful<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Neurologie e.V. (DGN)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine im JAMA ver\u00f6ffentlichte Studie zeigt: Die gezielte Beeinflussung der Tau-Pathologie allein reicht offenbar nicht aus, um den Verlauf einer fr\u00fchen Alzheimer-Krankheit zu verlangsamen. Auch die vorgestern in London pr\u00e4sentierte Studie zum Einsatz eines Tau-Antisense-Oligonukleotids verfehlte formal den prim\u00e4ren Endpunkt. 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Mit 5 neuen Empfehlungen der Initiative \u201eKlug entscheiden\u201c zeigt die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin e. V. (DGIM), wie wichtig das richtige Ma\u00df in der Inneren Medizin ist. Die Empfehlungen aus Gastroenterologie und Kardiologie behandeln Themen wie Reizdarm, Mangelern\u00e4hrung oder Bewegungstherapie bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie wurden erstmals im April 2026 auf dem DGIM-Kongress vorgestellt und sind nun im Deutschen \u00c4rzteblatt erschienen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fehlversorgung hat immer zwei Seiten: Manche wirksamen Ma\u00dfnahmen werden im Alltag zu selten eingesetzt. Zugleich erhalten Patientinnen und Patienten Untersuchungen oder Behandlungen, die ihnen voraussichtlich nicht weiterhelfen. \u201eMit \u201aKlug entscheiden\u2018 adressieren wir deshalb \u00dcber-, Unter- und Fehlversorgung in der Inneren Medizin in konkreten alltagsnahen Positiv- und Negativ-Empfehlungen\u201c, erkl\u00e4rt Professor Dr. med. Sebastian M. Schellong, der als Sprecher der Konsensus-Kommission die Entstehung der Empfehlungen mit den internistischen Schwerpunktgesellschaften koordiniert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit den 5 nun im Deutschen \u00c4rzteblatt erschienenen Beitr\u00e4gen aus der Gastroenterologie und der Kardiologie hat die Initiative unter Leitung der DGIM nunmehr \u00fcber 170 g\u00fcltige Empfehlungen verfasst. Diese geben \u00c4rztinnen und \u00c4rzten Hilfestellung, um in konkreten Versorgungssituationen die richtige Entscheidung zu treffen. 4 der 5 neuen Empfehlungen sind Positiv-Empfehlungen, die \u00c4rztinnen und \u00c4rzte auf Instrumente zur Risikoeinsch\u00e4tzung, Pr\u00e4vention und strukturierten Versorgung mit konkretem Nutzen f\u00fcr die Patientinnen und Patienten hinweisen. Hinzu kommt eine neue Negativ-Empfehlung, die dazu beitragen soll, vermeidbare Diagnostik bei Reizdarm-Erkrankungen einzud\u00e4mmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBei \u201aKlug entscheiden\u2018 geht es darum, genau das richtige Ma\u00df an Medizin f\u00fcr die individuelle Situation und Erkrankung einer Patientin oder eines Patienten zu finden\u201c, sagt Schellong. Damit sei die Initiative kein reines Instrument zur Kosteneinsparung. \u201eTats\u00e4chlich f\u00f6rdert \u201aKlug entscheiden\u2019 die Qualit\u00e4t in der Medizin und gegebenenfalls auch einen sparsamen Umgang mit begrenzten Ressourcen\u201c, sagt auch Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekret\u00e4r der DGIM.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die neuen Empfehlungen im \u00dcberblick<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tumorerkrankungen: Mangelern\u00e4hrung fr\u00fch erkennen und behandeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele Krebspatientinnen und -patienten verlieren im Verlauf ihrer Erkrankung Gewicht oder nehmen zu wenig Energie und Eiwei\u00df auf. Die DGIM empfiehlt deshalb, den Ern\u00e4hrungsstatus ab der Diagnose regelm\u00e4\u00dfig mit validierten Instrumenten zu erfassen. Wird ein Risiko f\u00fcr Mangelern\u00e4hrung erkannt, kann eine fr\u00fchzeitige Ern\u00e4hrungsberatung oder -therapie helfen, Kr\u00e4fte zu erhalten, um die Behandlung besser bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Langj\u00e4hriger Reflux: Einmalige Magenspiegelung soll Barrett-\u00d6sophagus erkennen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rund ein Viertel der Menschen in Deutschland ist regelm\u00e4\u00dfig von saurem R\u00fcckfluss wie Sodbrennen betroffen. Bestehen die Beschwerden \u00fcber Jahre, kann sich hinter dem vermeintlich bekannten Sodbrennen ein Barrett-\u00d6sophagus verbergen. Dieser gilt als Vorstufe f\u00fcr ein Adenokarzinom der Speiser\u00f6hre. Im Rahmen einer Meta-Analyse kam heraus, dass nur bei 5 Prozent der Menschen mit Barrett-Karzinom zuvor ein Barrett-\u00d6sophagus bekannt war. Die DGIM empfiehlt daher bei chronischem Reflux mindestens eine Magenspiegelung zur gezielten Abkl\u00e4rung einer relevanten Risikokonstellation. Ein allgemeines Screening der Bev\u00f6lkerung wird wegen fehlender Daten jedoch nicht empfohlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Reizdarmsyndrom: Nach sicherer Diagnose keine routinem\u00e4\u00dfigen Wiederholungsuntersuchungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Reizdarmsyndrom belastet Betroffene erheblich und schr\u00e4nkt die Lebensqualit\u00e4t durch Bauchschmerzen, Bl\u00e4hungen, Durchfall oder Verstopfung teils deutlich ein. Sind Warnzeichen und relevante Differenzialdiagnosen ausgeschlossen, \u00e4ndert sich Studien zufolge die Diagnose Reizdarm \u00fcber 2 bis 30 Jahre bei mehr als 95 Prozent der Betroffenen nicht mehr. Die DGIM betont deshalb: Ohne neue Hinweise f\u00fchrt eine wiederholte Untersuchung, die die Ursprungsdiagnose infrage stellt, meist nicht weiter. Wichtiger sei dann eine verl\u00e4ssliche Behandlung und Begleitung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Herz-Kreislauf-Risiko: Bewegungstherapie gezielt verordnen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Menschen mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko oder chronischem Koronarsyndrom ist Bewegung keine Wellness-Empfehlung, sondern fester Teil der Therapie. Gro\u00dfe Studien und Metaanalysen zeigen, dass regelm\u00e4\u00dfiges Training die Prognose verbessert und die Gesamt- und kardiale Mortalit\u00e4t senkt. Entscheidend ist, dass das Bewegungsprogramm individuell auf die Patientin und den Patienten zugeschnitten wird und Belastbarkeit, Begleiterkrankungen und m\u00f6gliche andere Risiken beachtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vorhofflimmern: Schlaganfallrisiko mit neuem CHA\u2082DS\u2082-VA-Score einsch\u00e4tzen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorhofflimmern ist die h\u00e4ufigste anhaltende Herzrhythmusst\u00f6rung. Etwa 1 von 3 Menschen entwickeln diese im Laufe des Lebens. Weil die Rhythmusst\u00f6rung das Risiko f\u00fcr Schlaganfall und andere Komplikationen erh\u00f6ht, ist die Entscheidung \u00fcber eine orale Antikoagulation zentral. Die DGIM empfiehlt daf\u00fcr den neuen geschlechtsunabh\u00e4ngigen CHA\u2082DS\u2082-VA-Score. Dieser gibt \u00c4rztinnen und \u00c4rzte anhand eines Punktesystems eine Einsch\u00e4tzung, wie hoch das Schlaganfallrisiko ist und ob eine blutverd\u00fcnnende Behandlung sinnvoll ist. Die Grundlage des Scores bildet eine Erhebung von Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Diabetes, Herzschw\u00e4che, fr\u00fcherer Schlaganfall und Gef\u00e4\u00dferkrankungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>\u00dcber \u201eKlug entscheiden\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 2015 entwickelt die DGIM im Rahmen von \u201eKlug entscheiden\u201c Empfehlungen f\u00fcr die Innere Medizin. Von 2016 bis 2024 wurden nahezu 200 Empfehlungen erarbeitet. Nach Pr\u00fcfung und Aktualisierung waren zuletzt 165 als g\u00fcltig klassifiziert. Die neuen Empfehlungen kn\u00fcpfen an diesen Aktualisierungsprozess an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mehr Informationen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsches \u00c4rzteblatt: \u201e\u201aKlug entscheiden\u2018 in der Inneren Medizin: F\u00fcnf neue Empfehlungen ver\u00f6ffentlicht\u201c, Raffi Bekeredjian, Stefan Frantz, Thomas Frieling, Sebastian M. Schellong, Juni 2026:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/klug-entscheiden-in-der-inneren-medizin-fuenf-neue-empfehlungen-veroeffentlicht-e683d913-eab8-4e71-a948-28bc3fce88a1\">https:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/klug-entscheiden-in-der-inneren-medizin-fuenf-\u2026<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle Empfehlungen finden Sie auch unter&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.klug-entscheiden.de\/\">www.klug-entscheiden.de<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin (DGIM)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Diagnostik ist notwendig, welche Therapie verbessert die Versorgung und wann ist Zur\u00fcckhaltung medizinisch sinnvoller? Mit 5 neuen Empfehlungen der Initiative \u201eKlug entscheiden\u201c zeigt die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Innere Medizin e. V. (DGIM), wie wichtig das richtige Ma\u00df in der Inneren Medizin ist. 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